Tipps & Tricks zur Hühnerhaltung

Auslauf ist nicht alles

Große Freiflächen sehen zwar augenscheinlich gut geeignet für Hühner aus, sind es aber nicht unbedingt. Unsere ge-fiederten Lieblinge stammen nämlich nicht aus der Steppe, sondern sind im Ursprung Waldbewohner. Dieser Umstand zeigt sich auch im Verhalten unserer modernen Rassen. Ein Huhn braucht Sicherheit und möchte deshalb immer eine Möglichkeit zum Schutz im Hintergrund. Zudem sind erhöhte Aussichtspunkte für ein gewisses Sicherheitsgefühl wichtig.

Unser Auslauf muss also nicht nur groß sein, nein, er muss auch Struktur bieten. Hierfür eignen sich kleine Sträucher und Stauden, sowie Buschbäume besonders gut. Wir empfehlen Obstgehölze.
Diese bieten nicht nur Schutz sondern werfen zudem das ein oder andere Stückchen Obst zur abwechslungsreichen Ernährung ab. Wenn sie hoch genug sind, vielleicht auch noch für den Halter.

Hühnerhalter sind auch Milbenzüchter

Zugegeben eine sehr freche Aussage, aber in vielen Fällen trifft dies durchaus zu. Gerade in kleinen und verwinkelten Ställen aus Holz fühlt sich die gemeine Dermanyssus wohl. In unserer angestrebten naturnahen Haltungsform lässt sich der kleine Quälgeist leider nicht einfach so aussperren. Wenn dieses üble Spinnentier sich es einmal richtig gemütlich gemacht hat, kann es zu beträchtlichen Schäden im Hühnerbestand kommen und damit leider auch zum Ableben einiger Tiere. Jetzt haben wir großes Glück, denn die Natur hat nicht nur rote Vogelmilben hervorgebracht, sonder auch eine Lösung um sie wieder los zu werden.

Diatomeenerde, oder auch Kieselgur sind urzeitliche Ablagerungen der Hüllen von Kieselalgen. Die spitze und scharfkantige Struktur des Kieselgurs beschädigt den Chitinpanzer von Milben und anderen kriechenden Insekten. Diese trocknen aus und sterben. Und das Beste an der Sache, Kieselgur ist weder für unser Geflügel, noch für deren Eier oder uns Menschen gefährlich.
Ein reines Naturprodukt, dass wir auf der Stange, im Stall und Eintreu verteilen können, ohne chemische Produkte einsetzten zu müssen. Aus der Natur für die Gesundheit unserer gefiederten Freunde.

Die Kräuterhexe im Hühnerhaus

Schon Oma wusste, was wir jetzt auch wissen. Mit Kräutern können wir unseren Hühnern helfen gesund zu bleiben. So unterstützt Oregano das Immunsystem und hilft ungeliebte bakterielle Erreger los zu werden. Thymian eignet sich gut um Verschleimungen zu bekämpften. Knoblauch kann durch seine starken ätherischen Öle helfen Ektoparasiten von Innen heraus abzuwehren.
Und all das ohne große Mengen füttern zu müssen. Bei Thymian und Oregano reichen schon 1 Gramm als Zugabe auf 1 Kilogramm Hauptfutter um positiv Einfluss auf die Gesundheit unseres Geflügels zu nehmen. Großer Erfolg liegt oft in den einfachsten Lösungen.

Futter für die Truppe

Hochwertiges Futter bildet die Grundlage für eine erfolgreiche Hühnerhaltung. Da wir unseren Damen im Zuge der Produktion unseres Frühstückseies einiges abverlangen, müssen wir im Gegenzug dafür sorgen, dass diese alles bekommen, was nötig ist um schöne Eier zu produzieren. Hierfür muss zu allererst für ausreichend Eiweiß und Kalk im Futter gesorgt werden. Die entsprechenden Proteinwerte erreichen wir zum Beispiel über die Gabe einheimischer Leguminosen wie Erbsen.

Wir bringen ausreichend Vitamine, Mineralstoffe und Aminosäuren in unser Futter ein. Diese sind essentiell für alle Funktionen im Körper unserer Hühner und somit nicht zu letzt für eine ordentliche Eiproduktion und natürlich auch für die Entwicklung eines prächtigen Exterieurs.

Schöner Wohnen im Hühnerhaus

Um die Frage zu beantworten, wie viel Platz wir unseren Hühnern im Stall bieten sollten, können wir uns einmal die gesetzlichen Vorgaben zur Geflügelhaltung anschauen. In klassischer Bodenhaltung stehen jeder Henne mindestens 0,11 qm zur Verfügung, also weniger als ein Blatt Papier im Format Din A3. Bei Freilandhaltung bleibt die vorgeschriebe-ne Stallfläche gleich, es kommen lediglich 4 qm Auslauf pro Henne dazu.

Wir können also festhalten, egal was wir unseren Tieren an Fläche in privater Haltung anbieten, es wird deutlich mehr sein als der Gesetzgeber vorschreibt. Grundsätzlich gilt es Augenmaß zu halten. Es sollten pro Tier 30 cm Sitzstange zur Verfügung stehen, sowie ausreichend Bewegungsfreiraum in der Stallfläche. Für die Anzahl der Legenester empfiehlt sich ein Nest für 3 bis 5 Hennen.

Das Hybridhuhn

Das bekannteste Huhn in der deutschen Geflügellandschaft ist sicherlich die klassische braune Legehenne. Sie zeichnet sich durch einen ruhigen Charakter, ihr Robustheit und eine hohe Legeleistung aus. Für die extrem hohe Eierprouktion ist der sogenannte Heterosiseffekt verantwortlich. Die Bezeichnung Hybrid wird verwendet, da bei einer Vermehrung dieser Tiere nicht wieder die braune Legehenne entsteht, denn diese wird aus mehreren Rassen zusammen gekreuzt.

Es wird häufig diskutiert, ob man derart für Leistung erzeugte Tiere privat überhaupt halten sollte und ob man damit nicht die Hybridisierung noch unterstützt.

Dazu sei gesagt, in Deutschland wurden im Jahr 2019 41,56 Mio Legehennen gehalten, der Anteil derer in Hobbyhaltung ist dabei verschwindend gering. Gerade wer einen höheren Eierbedarf hat oder besonders friedliche Tiere sucht, hat die Chance einigen wenigen Hybridhühnern aus einer Großbrü-terei ein langes und glückliches Leben zu ermöglichen.

Der Rassegeflügelzüchter Zukunft und Vergangenheit

Das Huhn liegt im Trend, eine Aussage die wir für das Jahr 2020 deutlich so treffen können. Was nicht im Trend liegt ist die Rassegeflügelzucht. Schade, denn wie soll der Bedarf an Hühnern für die Hobby- und Privathaltung gedeckt werden?

Bei der Zucht von Rassegeflügel geht es um den Erhalt optischer und somit auch genetischer Merkmale, die die entsprechende Rasse zu dem machen, was sie ist.

Bedingt durch den Zuwachs an Geflügelhaltern wächst auch die Nachfrage nach Rassehühnern. Nur wo sollen diese herkommen?
Gerade wenn man eine alte Nutzrasse oder gefährdete Hühnerrasse halten möchte, sollte man darüber nachdenken auch in die Vermehrung und Zucht einzusteigen. Informationen und Hilfestellung findet man bei jedem Geflügel- und Kleintierzuchtverein vor Ort.

Was sagt der Gesetzgeber

Grundsätzlich sind Hühner und anderes Geflügel bei der Tierseuchenkasse des entsprechenden Bundeslands zu melden. Die Meldung erfolgt jährlich zum 1.1. und ist nur mit sehr geringen Kosten verbunden.

Weiterhin ist man verpflichtet seine Tiere gegen die „Newcastle Disease“, sprich atypische Geflügelpest zu Impfen. Der Turnus liegt zwischen 6 und 12 Wochen je nach Bundesland und Impfstoff. In der Regel werden die Impfungen durch die örtlichen Geflügel- und Kleintierzuchtvereine organisiert.

Ebenfalls wichtig zu wissen, nicht in jedem Wohnort oder Wohngebiet ist Geflügelhaltung erlaubt. Es lohnt sich immer vorab bei der zuständigen Gemeinde nachzufragen.